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Mrz 26, 2012
admin

Olympia: Fankreich schickt Klasse statt Masse

Gerade einmal 15 französische Schwimmer werden bei den Olympischen Spielen über Einzelstrecken an den Start gehen. Elf von 26 Distanzen werden in London nicht besetzt – und dies obwohl man in Frankreich nicht gerade hohe Normzeit vorgegeben hatte. Man könnte meinen, dass dies für Europas zuletzt stärkste Schwimmnation etwas wenig ist, um den Posten als Nummer eins auf dem Kontinent zu verteidigen.

Die Namen, die jedoch in der Liste der französischen Olympia-Teilnehmer zu finden sind, tragen das Prädikat Weltklasse. Yannick Agnel konnte bei der Olympia-Quali in Dünkirchen unter Beweis stellen, dass nicht nur über die 200 sondern auch die 100m Freistil mit ihm zu rechnen ist. Möglicherweise geht sein Plan, auf die 400m Freistil zugunsten dieser beiden Strecken zu verzichten, tatsächlich auf. Agnels Trainingsgefährtin Camille Muffat hat gute Chancen Italo-Diva Federica Pellegrini als Doppel-Olympiasiegerin über die 200 und 400m Freistil abzulösen. Über beide Strecken schwamm sie in Dünkirchen neue Textil-Weltrekorde. Auch die Rückenspezialisten Camille Lacourt und Benjamin Stasiulis sowie Sprintexperte Fabien Gilot zählen in London zu den Medaillenkandidaten.

Ob sich Comeback-Sternchen Laure Manaudou erneut über olympisches Edelmetall freuen können wird, ist eher ungewiss. Am besten stehen hier wohl ihre Chancen über die 200m Rücken. Wenn sie von ihrer bereits starken Zeit aus Dünkirchen noch ein bis anderthalb Sekunden abknabbern kann, darf sie sich durchaus Hoffnungen machen, ihrem Satz olympischer Medaillen, den sie sich in Athen 2004 holen konnte, ein weiteres Schmuckstück hinzuzufügen.

Das macht sechs Schwimmer, die sich ernsthafte Hoffnungen auf eine Medaille im Einzel in London machen können. Hinzu kommen die Freistil-Staffeln der Herren. Über die 4x200m Freistil könnten die Franzosen durchaus dem US-Team mit Ryan Lochte und Michael Phelps gefährlich werden. Über die 4x100m Freistil hat man die Favoritenrolle zwar an das Weltmeister-Team aus Australien um Youngster James Magnussen verloren. Mit einer Medaille darf man hier jedoch ebenfalls rechnen. Die Lagenherren hingegen sind auf der Schmetterlings- und Bruststrecke wohl zu schwach besetzt, als dass es zu einer Medaille reichen könnte. Bei den Damen dürfte es eine faustdicke Überraschung sein, sollte sich eine der Staffeln auf dem Podium platzieren können.
Außenseiterchancen dürfen sich Florent Manaudou und Amaury Leveaux über die 50m Freistil ausrechnen. Auch die beiden qualifizierten Athleten über die 1500m konnten starke Zeiten vorweisen.

Dies ergibt folgende Medaillenchancen:

Herren:
(50m Freistil: Florent Manaudou, Amaury Leveaux)
100m Freistil: Fabien Gilot, Yannick Agnel
200m Freistil: Yannick Agnel
(1500m Freistil: Anthony Pannier, Damien Joly)

100m Rücken: Camille Lacourt, Benjamin Stasiulis
200m Rücken: Benjamin Stasiulis

4x100m Freistil
4x200m Freistil

Damen:
200m Freistil: Camille Muffat
400m Freistil: Camille Muffat

(200m Rücken: Laure Manaudou)

Dies ergibt auf dem Papier zwar nur zehn realistische Chancen – doch diese sind jeweils sehr hoch einzuschätzen. Hinzu kommen etwa fünf Außenseiterchancen. Es dürfte durchaus realistisch sein, dass das französische Team wieder im Bereich der Spiele 2008 landet, als man sechs Medaillen holen konnte. Um an das Ergebnis der vergangenen WM in Shanghai mit zehnmal Edelmetal heranzukommen, müssen die französischen Trümpfe nahezu alle stechen.

Die Vorab-Prognose zum derzeitigen frühen Saisonzeitpunkt:
Agnel knackt die 48 Sekunden und holt sich überraschend Bronze über die 100m Freistil. Über die 200m kommt er in dem extrem engen hochklassigen Feld ebenfalls auf Platz drei. Die von ihm angeführte 4x200m Freistilstaffel kommt auf Platz zwei, ebenso wie das 4x100m Freistil-Team.
Camille Lacourt holt sich nach dem EM-Titel 2010 in Budapest und dem WM-Titel 2011 in Shanghai auch den Olympia-Titel 2012 über die 100m Rücken. Stasiulis muss sich über die doppelte Strecke zwei US-Schwimmern (Lochte und Clary – oder gar Lochte und Phelps???) sowie Ryosuke Irie geschlagen geben.
Bei den Damen holt sich Camille Muffat den Titel über die 200m und schwimmt über die 400m auf Platz zwei. Laure Manaudou krönt ihr Comeback mit Bronze über die 200m Rücken hinter US-Teenie Melissa Franklin und einer Australierin/Britin/Japanerin/Chinesin. Von den Außenseiter-Herren holt einer der Freistilsprinter Bronze.
Macht in der Endabrechnung zwei Gold-, sowie drei Silber- und vier Bronzemedaillen = neunmal Edelmetall.
Keine schlechten Aussichten für das kleine aber feine französische Team!

Mrz 14, 2012
admin

Olympia oder Scheitern – Entscheidung für Thorpe

In wenigen Tagen ist es also nun soweit. Für Ian Thorpe entscheidet sich, ob es was wird mit der Olympia-Teilnahme oder ob sein Comeback den Stempel “gescheitert” aufgedrückt bekommt. Viel Hoffnung gibt es für den einstigen Weltmeister, Weltrekordhalter, Olympiasieger und wahrscheinlich besten Schwimmer der Welt nicht. Über die 200m Freistil gibt es in Australien knapp ein Dutzend Schwimmer, die in der Lage sind, tiefe 1:48er Zeiten und schneller zu schwimmen und dies wird auch nötig sein, um unter die besten Sechs zu kommen. Thorpes beste Zeit seit dem Comeback liegt bei 1:50,79 Minuten. Diese müsste er somit um etwa zweieinhalb Sekunden steigern, um sich den Traum vom Olympia-Ticket zu erfüllen. Angesichts der Qualitäten eines Ian Thorpe, der einst in 1:44,06 den Weltrekord hielt, ist das zwar nicht unmöglich, doch vor Selbstbewusstsein strotzte der ohnehin eher introvertierte Thorpe zuletzt eher nicht. Die eher pessimistische Prognose für die 200m Freistil: Thorpe wird kämpfen, im Halbfinale jedoch mit einer 1:49er Zeit ausscheiden.

Über die 100m Freistil dürfte es angesichts der Konkurrenz und seiner bisherigen Leistungen unwahrscheinlich sein, dass Thorpe ernsthaft damit rechnet unter die besten Sechs zu kommen und sich für das Staffel-Team zu qualifizieren. Thorpes Comeback-Bestzeit hier: 50,76 Sekunden. Bei den Meisterschaften in Adelaide sind 27 Schwimmer schneller als er gemeldet. Die Spitze in Australien über die 100m Freistil ist eng, schnell und jung. Alle Athleten sind Anfang bis Mitte Zwanzig. Langsamer als eine mittlere 48er Zeit darf man wahrscheinlich nicht sein, um sich das Olympia-Ticket zu sichern. Thorpes Bestzeit, die bei Olympia in Athen 2004 immerhin zu Bronze reichte, liegt bei 48,56 Sekunden. Diese müsste er wahrscheinlich nicht nur erreichen sondern sogar unterbieten. Die Prognose für die 100m: Schon der Einzug ins Halbfinale dürfte für Thorpe ein Erfolg sein.

Fazit: Die Chancen stehen schlecht für Ian Thorpe. Die Zeiten der Test-Wettkämpfe, die starke Konkurrenz sowie das mangelnde Selbstbewusstsein sprechen gegen ihn. Ein Scheitern dürfte für kaum jemanden eine Überraschung sein. Das Gute daran für Thorpe: Im Grunde kann er nur positiv überraschen!

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