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Feb 12, 2012
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Alle gegen Pellegrini – Olympia-Highlight 200 Freistil der Damen

Dass die 200m Freistil der Herren bei den Olympischen Spielen in London eines der spannendsten Rennen aller Zeiten werden könnten, wurde bereits bei der WM im vergangenen Jahr in Shanghai deutlich. Doch auch bei den Damen könnte diese Distanz eines der Highlights der Schwimmwettbewerbe in London werden. Ein gutes halbes Dutzend an Top-Schwimmerinnen strebt danach, Italo-Diva Federica Pellegrini vom Thron zu stoßen.

Seit den Olympischen Spielen in Peking vor vier Jahren konnte Pellegrini bei allen Höhepunkten auf der Langbahn die Titel über die 200m Freistil holen. Bei der Heim-WM 2009 in Rom, bei der EM 2010 in Budapest und auch bei der Weltmeisterschaft in Shanghai im vergangenen Jahr war sie nicht zu schlagen. Doch diese Dominanz könnte in London durchbrochen werden.

Konkurrenz durch einen Teenager: Missy “The Missile” Franklin (USA)

Ganz oben auf der Liste der Konkurrentinnen steht US-Teenie Melissa Franklin. Sie schwamm 2011 in 1:55,06 Minuten als Startschwimmerin der amerikanischen WM-Staffel die beste Zeit des Jahres über die 200m Freistil und war damit knapp eine halbe Sekunde schneller als Pellegrini bei deren WM-Sieg im Einzel. In Shanghai war Franklin über die 200m Freistil im Einzel nicht am Start. Spannend wird in diesem Zusammenhang die Olympia-Streckenplanung der 16-Jährigen. Sie gilt als Multitalent, das sowohl über die Freistil- als auch Rückenstrecken angreifen kann. Gut möglich, dass sie auf die ein oder andere Distanz verzichten muss. Franklin war seit 2008 die erste Schwimmerin, die statt Pellegrini am Ende des Jahres an der Spitze der Weltrangliste stehen konnte.

Ausrufezeichen zum Auftakt des Olympiajahres: Allison Schmitt (USA)

Eine weitere ernsthafte Konkurrentin für Pellegrini kommt ebenfalls aus den USA und ist eine von Franklins engsten Gefährtinnen im US-Team. Die 24-jährige Allison Schmitt schwamm bei der WM in Rom vor drei Jahren hinter Pellegrini zu Silber und konnte im vergangenen Jahr vor allem auf der Kurzbahn über die 200m Freistil glänzen. Sie schwamm beim Weltcup in Berlin in 1:52,08 Minuten Weltjahresbestzeit. Zum Auftakt des Jahres konnte Schmitt bereits mit einer Zeit von 1:55,83 Minuten glänzen, was bei der WM in Shanghai zu Silber gereicht hätte und mehr als eine Sekunde schneller war als ihre eigene Finalzeit, mit der sie auf Platz sechs kam.

Die Kurzbahn-Weltmeisterin: Camille Muffat (FRA)

Auch aus Europa kommt Gefahr für Pellegrini. Die Französin Camille Muffat konnte zum Jahresauftakt bereits an die Zeit heranschwimmen, mit der sie bei der WM im vergangenen Jahr Bronze holte. Zudem ist sie amtierende Kurzbahn-Weltmeisterin über die 200m Freistil. Muffat ist eine von insgesamt sieben Schwimmerinnen, die seit dem Verbot der Hightech-Anzüge unter die Marke von 1:56 Minuten schwimmen konnten.

Aus Fehlern schlau geworden (?): Femke Heemskerk (NED)

Eine weitere europäische Athletin, die Pellegrini gefährlich werden könnte, ist die Niederländerin Femke Heemskerk. Im Gegensatz zu Muffat, die neben den 200 auch die 400m Freistil beherrscht, kommt Heemskerk eher von den kurzen Strecken. Bei der WM im vergangenen Jahr schwamm sie in 1:55,54 Minuten als Schnellste ins Finale und war damit hier bereits vier Hundertstel schneller als die spätere Weltmeisterin Pellegrini. Im Endlauf fehlte ihr jedoch, nachdem sie 150m geführt hatte, auf der letzten Bahn die Kraft. Aus dieser Erfahrung wird sie ihre Lehren gezogen haben.

Die europäische Missy Franklin: Sarah Sjöström (SWE)

Neben Missy Franklin wird auch ein junges europäisches Multitalent der Titelverteidigerin das Leben schwer machen. Die Schwedin Sarah Sjöström schwamm bereits bei der EM 2008 ins Licht der Öffentlichkeit, als sie sich mit nur 14 Jahren über die 100m Schmetterling die Goldmedaille holte. Es folgten der WM-Titel 2009 und die EM-Titelvertidigung über diese Distanz 2010. Doch die 18 Jahrige kann mehr als “Schmettern”. Im vergangenen Jahr schwamm sie in 53,05 Sekunden die Weltjahresbestzeit über die 100m Freistil. Bei der WM in Shanghai schwamm sie über die 200m als Vierte nur knapp am Podium vorbei und gilt somit auch über diese Distanz als eine der Medaillenanwärterinnen. Für sie gilt ebenso wie bei Franklin: Es wird spannend sein zu sehen, auf welche Strecken sie sich bei Olympia konzentrieren wird.

Die Olympiasiegerinnen: Kylie Palmer und Bronte Barrat (AUS)

Gleich mehrere ernstzunehmende Pellegrini-Konkurrentinnen kommt aus Australien – allen voran Vize-Weltmeisterin Kylie Palmer. Die 21-Jährige schwamm im Finale von Shanghai auf den letzten 50 Metern fast am gesamten Feld vorbei von Platz sieben auf zwei. Wäre das Becken 10 Meter länger gewesen, hätte sie sich wahrscheinlich auch Pellegrini geschnappt. Auch sie konnte bereits unter 1:56 Minuten bleiben und war Mitglied der 4x200m Freistilstaffel, die bei den Olympischen Spielen in Peking Gold holen konnte.
Ebenfalls mit olympischem Staffelgold dekoriert, ebenfalls im WM-Finale von Shanghai dabei und ebenfalls bereits unter 1:56 Minuten war Palmers Team-Kollegin Bronte Barrat. Sie kommt wie Pellegrini oder Muffat auch von den 400m und könnte der Italienerin somit doppelt gefährlich werden.
Mit Jade Neilson, Angie Bainbridge, Blair Evans und vor allem der 16-jährigen Yolane Kukla stehen zudem junge Schwimmerinnen sowie mit Melanie Schlanger oder Alicia Coutts etablierte Kräfte bereit, die Palmer und Barrat bereits bei der Olympia-Quali in wenigen Wochen das Leben schwer machen könnten.

Silke Lippok und die Geheimkandidaten

Natürlich sind die Olympischen Spiele stets auch von Überraschungen und Sensationen geprägt. Über die 200m Freistil gibt es mehrere Kandidatinnen, die neben den bereits vorgestellten “etablierten” Athletinnen ins Rampenlicht schwimmen könnten. Das Sensationsgefühl kennt Vize-Europameisterin Silke Lippok bestens. Bei der EM in Budapest vor zwei Jahren konnte die 18-Jährige mit einem beherzten Rennen Pellegrini an den Rande einer Niederlage bringen. Auch sie stand im vergangenen Jahr im WM-Finale. Kann sie sich noch etwas steigern, zählt auch sie zu den Geheimfavoriten auf eine Medaille in London.

Gerade im Olympiajahr macht so mancher einen kräftigen Sprung nach vorn. Kandidatinnen dafür wären beispielsweise die beiden Ungarinnen Agnes Mutina und Zsuzsanna Jakabos, die Spanierin Melanie Costa Schmid, die Japanerin Haruka Ueda oder natürlich eine der zahlreichen Chinesinnen, allen voran Yi Tang, die im Finale über die 4x200m Freistil in Shabghai die zweitschnellste Zeit aller Athletinnen schwimmen konnte.

Insgesamt haben wir also etwa sechs oder sieben Athletinnen, die Pellegrini ernsthaft gefährlich werden könnten. Um die Medaillen streiten sich mehr als ein Dutzend Schwimmerinnen. Damit dürften die 200m Freistil auch bei den Damen eines der spannendsten Rennen der Olympischen Spiele werden.

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