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Okt 31, 2011
admin

Ian Thorpe – Eine Legende kehrt zurück

Noch vier Tage, dann ist er zurück! Ian Thorpe, Olympiasieger, Weltmeister, Schwimm-Legende! Es gab im Schwimmsport schon seit langem kein Comeback mehr, das solche Wellen schlug und dem so entgegengefiebert wurde.

Seit dem Rücktritt des Australiers vor fünf Jahren schwirrten immer wieder Gerüchte durch die Welt, man könnte ihn möglicherweise schon bald zurück auf der Bühne des Schwimmsports begrüßen. Angeheizt wurden diese durch Berichte, Thorpe habe mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Noch im Mai 2010 kommentierte er Meldungen über mögliche Comeback-Gedanken noch mit: “Ich habe keine Absichten zum Wettkampfsport zurückzukehren.”

Bereits damals regte sich jedoch wohl die Sehnsucht in dem fünffachen Olympiasieger. Ein Flug nach London zu den Wettkampfstätten der Olympischen Spiele 2012 soll dann entgültig den Schalter umgelegt haben. Seit dem September des vergangenen Jahres ist er zurück im Trainingsbecken. Um dem öffentlichen Interesse zu entgehen, zog er jeden Tag in einem anderen Pool seine Bahnen. Die Trainingsprogramme schrieb ihm Australiens Chefcoach Leigh Nugent.

Im Februar dann das Ende des Versteckspiels: Im Rahmen einer Pressekonferenz verkündete Thorpe seine Rückkehr. Statt über seine einstige Paradestrecke, die 400m Freistil, kündigte der mittlerweile 29-Jährige jedoch an, sich auf die 100m und möglicherweise auch 200m Freistil konzentrieren zu wollen, um hier die Chance auf einen Staffelplatz im australischen Olympiateam zu haben. Bereits im März stehen die Qualifikationswettkämpfe für die Schwimmer aus Downunder auf dem Plan. Schon hier gilt es für Thorpe sich in Top-Form zu präsentieren. Über die 100m Freistil wird er es mit dem Quartett zu tun bekommen, das sich bei der WM in Shanghai Staffel-Gold holen konnte und dabei durch die Bank Zeiten von unter 48 Sekunden hinlegte. Wenn Thorpe an alte Stärke herankommen kann, dürften nach derzeitigem Stand die Chancen über die 200m sogar höher zu bewerten sein. Bei der WM in Shanghai gelang keinem seiner Landsmänner der Finaleinzug. Die Staffel landete hinter dem DSV-Quartett auf Rang fünf.

Hier nochmal ein Video des “Rennens des Jahrhunderts” zwischen Ian Thorpe, Michael Phelps und Pieter van den Hoogenband:

Mit Gennadi Touretski hat Thorpe den einstigen Mentor von Russlands Sprint-Zar Alexander Popov an seiner Seite. Auch dies ist ein Ausdruck dafür, dass er sein Hauptaugenmerk wohl auf die 100m Freistil legen wird. Über diese Distanz wird er zum ersten Mal beim Weltcup-Finale in Tokio zu sehen sein. Bei den beiden Meetings zuvor am 4./5. November in Singapur und am 8./9. November in Peking wird er “nur” über die 100m Lagen und Schmetterling starten. Möglicherweise wird man hier auf der Schlussbahn der 100m Lagen seine neuen Technik zu sehen bekommen, die ihm von Touretski verpasst wurde. Mit den Starts über die Nebenstrecken wird Thorpe zumindest etwas Druck von den Schultern genommen. Kaum jemand kann erwarten, dass er hier gegen die Spezialisten zum Sieg schwimmt – ihn im Finale zu sehen dürfte bereits als Erfolg zu verbuchen sein.

Es gäbe noch unglaublich viel zu sagen zu Ian Thorpe… Seine Erfolge… Die Doping-Anschuldigungen gegen ihn… Sen Rücktritt… Hier jedoch zum Abschluss noch ein Video – eines meiner persönlichen Lieblingsrennen – das einen Eindruck gibt, wieso Thorpe wohl immer den Status eines Ausnahmeschwimmers haben wird.

Der 15-jährige Ian Thorpe bei der WM 1998 auf dem Weg zu Gold über die 400m Freistil – die letzten 50m… einfach unglaublich:

Okt 23, 2011
admin

Spektakuläre Schwimmer und spekulierende Schreiberlinge – Der Weltcup in Berlin

Zwei Tage lang war Berlin Gastgeber der internationalen Elite und nicht nur von der Besetzung her war der Weltcup in Berlin das bisherige Highlight der diesjährigen Weltcup-Serie. Das “Highspeed”-Becken der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark produzierte den ersten Weltrekord bei den Damen seit dem Verbot der Hightech-Anzüge. Insgesamt war es der schnellste der bisherigen Weltcups – den “Beweis” dazu gibt es morgen auf swimsportnews. Selbst Michael Phelps, dessen bisherige beiden Weltcup-Auftritte – sagen wir mal: “durchwachsen” – waren, präsentierte sich in Berlin in überzeugender Form. Zufrieden mit seinen Leistungen zeigte er sich auch Abseits des Beckens recht locker – ganz anders als noch beim Weltcup vor zwei Jahren, als er sich in Badehose schwimmend der mit Hightech-Anzügen ausgestatteten Konkurrenz stellte und (logischerweise) kaum einen Stich sah.

Mit Blick auf die Aushängeschilder des Deutschen Schwimm-Verbandes darf man sich ebenfalls durchaus zufrieden zeigen. Paul Biedermann schwamm locker aus der Hüfte zu seinen Siegen. Britta Steffen bleibt zwar ohne Sieg, präsentiert sich jedoch nach den WM-Turbulenzen vergleichsweise locker am Beckenrand und auch im Wasser. Für starke Leistungen sorgten auch Daniela Schreiber, die im direkten Duell Olympiasiegerin Steffen schlagen konnte, Marco Koch, der knapp an seinen Deutschen Rekord über die 200m Brust heranschwamm, oder auch Dorothea Brandt die – obwohl gesundheitlich angeschlagen – zweimal auf das Podest schwimmen konnte. Insgesamt gab es elf Medaillen für die DSV-Schwimmer. Bei einem Heim-Weltcup könnte es zwar durchaus etwas mehr sein, doch die Athleten schwammen das Meeting aus dem vollen Training heraus. Zudem fehlten einige Namen und auch die Konkurrenz in Berlin war nicht von schlechten Eltern. Dass auch diese, wenn sie aus dem Training heraus schwimmt, nicht immer zu Top-Leistungen im Stande ist, zeigten die Ergebnisse von Frankreichs Schwimmstars Yannick Agnel und Camille Muffat, die deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben.

Doch es kann natürlich keinen größeren internationalen Schwimm-Wettkampf geben, ohne dass der DSV mit Streitereien auf sich aufmerksam macht. Seien es von Ausstattern gelieferte “Schlafanzüge”, mit denen man nur hinterherschwimmt, Athleten, die dagegen protestieren, Schwimm-Sternchen, die von Wettkämpfen flüchten (die Liste lässt sich beliebig fortführen…) und diesmal nun eben die Personalie Dirk Lange… Vor dem Weltcup wurde berichtet, es gäbe “Abstimmungsgespräche” mit ihm, von denen Lange nach eigenem Bekunden allerdings gar nichts wusste, und wenn Figuren des deutschen Schwimmsports auf die Zukunft des Bundestrainers angesprochen wurden, hielten sie sich auffälig zurück. Während des Weltcups selbst war die Personalie Lange dann hinter den Kulissen DAS Thema unter den Vertretern der schreibenden Zunft. Es wurde Spekuliert ob er geht, ob er bleibt, wer es machen könnte und wer nicht… Heute nun ist bei “Welt Online” zu lesen: “Nach Informationen von ‘Welt Online’ soll Markus Buck, Bundestrainer für Diagnostik, den Fachbereich von Lange bis zu den Olympischen Spielen interimistisch übernehmen und die Nationalmannschaft betreuen.” … Ein Wechsel des Bundestrainers… Acht Monate vor den Olympischen Spielen … Zumindest wäre so die erste “Begründung” für ein mögliches schlechtes Abschneiden in London schonmal vorbereitet…

Okt 10, 2011
admin

Weltcup-Zirkus startet mit Nebendarstellern

Der Startschuss für den Weltcup-Zirkus ist gefallen und der Auftakt der Wettkampfserie war in diesem Jahr doch recht “gemächlich”, um es freundlich auszudrücken. Das Starterfeld war beim Weltcup in Dubai von deutlich geringerer Qualität als man es sonst von den Kurzbahn-Meetings gewohnt ist.

Die Top-Stars wie Ranomi Kromowidjojo oder Marleen Veldhuis ließen sich an einer Hand abzählen. Würde für die Ausrichternationen von Weltcups nicht die Pflicht bestehen, für jeden Weltcup mindestens vier Athleten zu melden – das Starterfeld wäre noch deutlich dünner gewesen. Der DSV reiste, dezimiert durch den Ausfall von Hendrik Feldwehr, sogar nur mit drei Schwimmern an den Golf. Dass die Konkurrenz beim Meeting in Dubai vergleichsweise schwach war, wird nicht nur beim Blick auf die Namen der teilnehmenden Schwimmer deutlich. Auch die für die Gesamtwertung ausschlaggebende Liste der punktbesten Leistungen zeigt dies. Bei den Männern reichte eine Leistung, die 820 FINA-Punkte wert war, um sich unter den besten Zehn zu platzieren und damit Punkte für die Weltcup-Gesamtwertung zu holen. Im vergangenen Jahr waren dazu bei jedem Weltcup-Meeting mindestens 866 Zähler notwendig.

Nict nur qualitativ, auch quantitativ war der Weltcup vergleichweise schlecht besetzt. Für mehrere Strecken war es nicht einmal notwendig Vorläufe zu veranstalten, da sich nur acht oder sogar weniger Athleten dafür gemeldet hatten. Zumindest bot sich damit den Sportlern aus den umliegenden Nationen die Möglichkeit einmal im Licht der Öffentlichkeit zu schwimmen. Dadurch wurde jedoch eine weitere Tatsache deutlich: Der Abstand der Schwimmer aus dem asiatisch-arabischen Raum zur (sogar nur erweiterten) Weltspitze ist imens. Mit Mohammed Humaid Al Ghaferi, der Bronze über die 50m Rücken holte, konnte sich nur einer der Schwimmer aus der Region auf dem Podest platzieren. Ob sich der Weltverband FINA dieses Problems bewusst ist? Sieht man das dort überhaupt als Problem? Zumindest sind die Vereinigten Arabischen Emirate immer wieder gern gesehen, wenn der Verband Meisterschaften oder Weltcups zu vergeben hat…

Für die deutschen Schwimmfans zumindest hatte der Weltcup in Dubai dank Marco Koch durchaus Highlights zu bieten und dies nicht nur durch die schwache Konkurrenz bedingt. Mit seiner Zeit von 2:04,97 Minuten über die 200m Brust sorgte er für die zweitstärkste Leistung in Dubai. Und es stehen noch sechs weitere Weltcups für den Darmstädter auf dem Plan. Genug Gelegenheit also, für einen versöhnlichen Jahresabschluss zu sorgen. Im Sommer hatte Koch aufgrund einer Rückenverletzung bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin die Möglichkeit zur Qualifikation für die WM in Shanghai verpasst. Auch die ihm eingeräumte zweite Chance bei den Paris Open konnte er nicht nutzen. Stattdessen schwamm sich Youngster Christian vom Lehn über seine Paradestrecke 200m Brust mit WM-Bronze ins Rampenlicht. Nun schickt sich Koch an zu zeigen, dass man ihn nicht vergessen sollte. Zwischen den beiden könnte sich in den kommenden Jahren eine fruchtsame Konkurrenz entwickeln.

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